Menu Close

Der schlimmste Fehler, den Sie als Betrieblicher Gesundheitsmanager am Anfang machen können

Wollen Sie in Ihrem Betrieb mit BGM starten und fragen sich, womit Sie am besten anfangen? Gibt es schon einzelne Gesundheitsmaßnahmen und Sie überlegen, womit Sie noch mehr Mitarbeiter erreichen?

Gut, dass Sie sich erst einmal diese Fragen stellen, denn der richtige Start in ein Betriebliches Gesundheitsmanagement ist entscheidend für den weiteren Erfolg.

Gesucht: Knowhow im Betrieblichen Gesundheitsmanagement

Immer mehr Betriebe im Mittelstand, gerade kleinerer und mittlerer Größe (KMU), wollen die Gesundheit und Beschäftigungsfähigkeit ihrer Mitarbeitenden gezielt fördern. Das liegt wohl auch daran, dass es in Deutschland schwieriger wird, geeignete Fachkräfte zu finden.

Gesundheitsangebote und eine Unternehmenskultur, die auf die Belange der Mitarbeitenden achtet, machen ein Unternehmen attraktiver für Bewerber.

Das Projekt MEgA hat im Rahmen einer Studie die spezifischen Bedarfe der KMU unter anderem im Gesundheitsmanagement untersucht. Befragt wurden Geschäftsführer und HR-Manager aus 62 Betrieben.

Bildquelle: https://gesundearbeit-mega.de/

Die Ergebnisse zeigen deutlich: Bedarf ist da. Was fehlt, ist das Wissen um das richtige Vorgehen – bei der Einführung eines strategischen BGMs und der Einbindung von Mitarbeitern und Führungskräften.

Ihr Knowhow als Betrieblicher Gesundheitsmanager ist also sehr gefragt.

Der schlimmste Fehler am Anfang: Sofort Aufträge umsetzen

Sie wollen ein BGM einführen, sind vielleicht neu im Unternehmen oder neu in der Abteilung: Jetzt ist der größte Fehler, den Sie machen können, sofort ins Tagesgeschäft einzusteigen. Das geht ganz schnell. Da alle auf Sie gewartet haben, gibt es sicher schon Aufgaben unter der Überschrift „Das macht dann der Gesundheitsmanager“.

In Nullkommanichts stecken Sie über beide Ohren in der Organisation von Angeboten, über deren Sinn und Nutzen Sie noch gar nicht nachdenken konnten. Es bleibt Ihnen keine Zeit mehr, um in Ruhe die Ausgangssituation im Betrieb anzuschauen und daraus dann Ihr geeignetes weiteres Vorgehen zu entwickeln.

Also: Übernehmen Sie nicht die Organisation des nächsten Gesundheitstages und schreiben Sie nicht den Artikel über die letzte Laufaktion für die Mitarbeiterzeitung. Nehmen Sie noch keine Aufträge von anderen an, weil Sie jetzt für Gesundheit zuständig sind.

Wenn Sie im Betrieb wirklich etwas verändern und nachhaltige Wirkung erzielen wollen, dann werden Sie es anders machen:

Sie klären gründlich Ihren Auftrag und machen sich erst einmal ein eigenes Bild davon, wo das Unternehmen bei der Gesundheitsförderung steht und wie die Kollegen, Mitarbeitern und Führungskräften dies bewerten.

Jetzt, am Anfang, wird man Ihnen die Zeit und vermeintlich dumme Fragen noch zubilligen: Sie sind neu, Sie stehen am Anfang, Sie haben quasi einen Welpenstatus (ich würde gerne einen jungen Hund kaufen – das kommt manchmal durch). Später werden Sie kaum Zeit und Ruhe dafür haben.

Also, die Aufgabe für die nächsten Tage:

Nehmen Sie sich Zeit, um sich Ihr eigenes Bild zu machen

Schritt 1: Klären Sie Ihren Auftrag

Auftragsklärung? Ich bin kein Unternehmensberater, denken Sie vielleicht. Doch, sind Sie. Überlegen Sie mal: Sie sind der Experte für den Erhalt und die Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden im Unternehmen. Sie wissen, wie das geht. Und es ist Ihre Aufgabe, die Geschäftsleitung, Kollegen und Führungskräfte darin zu beraten.

Ihr Chef hat Ihnen gesagt, Sie sollen ein BGM einführen? Damit ist der Auftrag doch klar meinen Sie? Nein, ist er nicht. Ein bisschen präziser darf es schon sein. Fassen Sie unbedingt nach:

  • Was versteht Ihr Vorgesetzter eigentlich unter BGM? Versteht er das Gleiche wie Sie? Wenn nein, dann sollten Sie ein gemeinsames Verständnis erarbeiten.
  • Und was versteht er unter „Gesundheit und Krankheit“? Denkt er dabei nur an Rückenschmerzen und Grippe oder spielt auch das psychische Wohlbefinden eine Rolle?
  • Bis wann soll was erreicht werden? Woran wird die Zielerreichung festgemacht? Wann haben Sie als Gesundheitsverantwortlicher einen guten Job gemacht?
  • Warum will das Unternehmen gerade jetzt mit BGM starten? Was ist Auslöser dafür? Was ist das Ziel dabei? Sollen wirkliche Veränderungen das Ziel sein oder geht es nur um ein paar Vorzeigemaßnahmen?
  • Welche Kompetenzen haben Sie? Welche Ressourcen stehen Ihnen zur Verfügung?

Sie brauchen für Ihre Arbeit Klarheit in diesen Fragen, damit Sie die richtigen Entscheidungen über das weitere Vorgehen treffen können. Notieren Sie unbedingt, was Sie besprochen haben und stimmen Sie die Kernpunkte mit Ihrem Auftraggeber ab.

Als ich damals im BGM gestartet bin, war der Auftrag meiner Führungskraft: „Wir wollen mit BGM Benchmark in unserer Branche werden.“ Was er meinte war: Sichtbar die Besten sein im Kreise unserer engsten Wettbewerber, Vorbild mit unserem BGM. Für mich hieß das zweierlei: Zum einen ein wirklich gutes Gesundheitsmanagement aufbauen. Zum anderen damit auch nach außen, in der Presse und Öffentlichkeitsarbeit, sichtbar werden.

Schritt 2: Reden Sie mit Betroffenen

Nachdem Sie Ihren Auftrag abgestimmt haben, wollen Sie mehr über das Unternehmen und Ihre Kollegen und Mitarbeitenden erfahren. Im Projektmanagement würde man sagen: Machen Sie eine Stakeholder-Analyse.

Im Kern geht es darum, dass Sie die Interessenlage anderer im Unternehmen kennen lernen. Warum? Damit Sie deren voraussichtliche Reaktionen auf Ihre Aktivitäten im BGM berücksichtigen können. Nein, nicht um es dann allen recht zu machen, sondern um Unterstützer zu finden und für Hindernisse, die sich abzeichnen, Vorbereitungen zu treffen.

Reden Sie also mit denjenigen, die von Maßnahmen des Gesundheitsmanagements betroffen sind. Ihr Ziel ist dabei, die Erwartungen, Einstellungen, Erfahrungen und Meinungen Ihres Gegenübers zum BGM zu erfahren. Und das funktioniert oft besser informell, bei einem Kaffee oder einem Mittagessen, als in einer offiziellen Besprechung.

Treffen Sie sich zum Beispiel mit Verantwortlichen aus der Personalabteilung, mit unterschiedlichen Führungskräften und verschiedenen Mitarbeitern.

Sie wollen unter anderem herausfinden, wie der andere zum Thema Gesundheitsmanagement steht. Ist er ein Unterstützer für Sie oder eher ein Kritiker? Sie wollen wissen, wie die Sicht des anderen auf die gesundheitliche Situation im Unternehmen ist:

  • Wird das Wohlbefinden der Beschäftigten als Bestandteil der Unternehmenskultur erlebt? Wird Gesundheitsförderung als ehrliches Interesse des Unternehmens am Wohl der Mitarbeitenden gewertet oder als Feigenblatt?
  • Wo sieht Ihr Gesprächspartner Handlungsbedarf? Was läuft schon gut, was eher schlecht?
  • Was gab es schon an Aktionen und Aktivitäten und wie kamen die an? Was hat funktioniert in den Augen Ihres Gesprächspartners und was nicht?

Reden Sie unbedingt auch mit Fachkollegen, die eine Rolle im Arbeits- und Gesundheitsschutz oder der Gesundheitsförderung haben: Zum Beispiel mit Vertretern aus dem Betriebsrat oder Personalrat, dem zuständige Betriebsarzt, der Fachkraft für Arbeitssicherheit, der Schwerbehindertenvertretung, der Jugendausbildungsvertretung.

Hören Sie ins Unternehmen hinein. Hören Sie zu, fragen Sie nach. Seien Sie ehrlich interessiert und zeigen Sie dabei auch unbedingt Respekt und Wertschätzung für die Leistungen und Meinungen Ihres Gesprächspartners.

Fragen Sie auch, inwiefern Sie mit seiner Unterstützung rechnen können und bieten Sie selbst Bereitschaft zur guten Zusammenarbeit an.

Zum Newsletter anmelden

Sie wollen anerkannt sein als Betriebliche(r) GesundheitsmangerIn - als Experte oder Expertin gesehen, gehört und akzeptiert werden? ​Sie möchten viel bewegen und Ihren Job mit Spaß meistern?

​Einfach Email-Adresse eintragen, und zukünftig bekommen Sie meinen Newsletter 2 – 3 Mal im Monat zugesandt.

​Seriöse Informationen - bewährte Tipps, für den Erfolg, den Sie sich erträumen.

Der Newsletter-Anbieter ist ActiveCampaign. Alle Infos unter Datenschutz

Schritt 3: Nutzen Sie Ihre Erkenntnisse gezielt

Nach jedem Gespräch machen Sie sich Notizen und halten Sie das Wichtigste fest. Am Ende erstellen Sie eine Auswertung. Sie sollte hauptsächlich in zwei Richtungen zielen:

  1. Wie ist die Haltung, die Stimmung im Unternehmen zur Gesundheitsförderung, zum BGM, zu bisherigen Aktionen und Maßnahmen? Welche Konsequenzen hat das für Ihr Vorgehen?

Hier ein Beispiel: In einem mittelständischen Metall verarbeitenden Unternehmen kam der Gesundheitsverantwortliche am Ende seiner Befragung von Stakeholdern zum Ergebnis, dass viele Mitarbeiter Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und die Einführung eines BGMs überwiegend ablehnten.

Was war falsch gelaufen?

Mit den bisherigen Angeboten und Aktionen (Vorträge zu gesunder Ernährung, Rückenschule, Stress-Seminare) sollte einzig und allein das Verhalten der Mitarbeitenden geändert werden. Und so war auch die Kommunikation gestaltet.

Die Botschaft lautete stark vereinfacht: „Liebe Mitarbeiter, Sie müssen sich gesünder ernähren, mehr bewegen und Stress-resistenter werden, dann sinken auch die Fehlzeiten.“ Die Unternehmensleitung sah keine Notwendigkeit auch die Verhältnisse im Betrieb gesundheitsförderlich zu gestalten.
Entsprechend skeptisch standen Viele der geplanten Einführung eines BGMS gegenüber.

Ein Gesundheitsmanager, der also nicht mit offenen Armen empfangen wird, wird als oberstes Ziel haben, zerstörtes Vertrauen in der Belegschaft wiederherzustellen. Durch gute Kommunikation und die sensible Auswahl seiner ersten Aktivitäten.

2. Was haben Sie erfahren, über die Einstellungen und Erwartungen Ihrer Gesprächspartner und wie können Sie diese nutzen?

Mir hat bei der Gesprächsauswertung eine strukturierte Übersicht in Form einer Tabelle geholfen, mit den folgenden Spaltenüberschriften:

  • Name
  • Rolle im Unternehmen
  • Einstellung zum BGM (positiv, neutral, negativ)
  • Wichtigkeit für das BGM (hoch, mittel, niedrig)
  • Einfluss im Unternehmen (hoch, mittel, niedrig)
  • Bereitschaft zur Unterstützung (hoch, mittel, niedrig)

Wichtig: Diese Unterlage ist für Sie und nur für Sie bestimmt! Stellen Sie unbedingt sicher, dass hierauf niemand anderes Zugriff hat.

Ein Betriebliches Gesundheitsmanagement einzuführen, ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Das können Sie als Gesundheitsmanager nicht alleine, dafür sind alle im Unternehmen verantwortlich. Aber Sie sollten die Fäden in der Hand halten und Sie sollten steuern.

Und hierbei leistet die Tabelle gute Dienste. Sichern Sie sich bewusst die Unterstützung und Mitarbeit vor allem von denjenigen, die eine positive Einstellung zum BGM haben und wichtig für die Umsetzung sind beziehungsweise Einfluss im Unternehmen haben. Binden Sie diese Personen aktiv in Entscheidungs- und Diskussionsrunden, in einen Lenkungsausschuss oder einen Steuerungskreis Gesundheit ein.

Versuchen Sie außerdem immer wieder diejenigen zu überzeugen, die BGM eher negativ sehen, aber einflussreich sind. In einem meiner nächsten Blogartikel werde ich Ihnen dazu einige Möglichkeiten aufzeigen.

Fazit

Ihr Wissen darüber, wie man ein Betriebliches Gesundheitsmanagement aufbaut, ist gerade in KMU sehr gefragt.
Starten Sie Ihre Arbeit als Gesundheitsverantwortlicher unbedingt mit einer Orientierungsphase. Dazu gehört: Den Auftrag klären und ins Unternehmen hinein hören. Fragen stellen, zuhören, sich ein eigenes Bild machen und die gewonnen Erkenntnisse dann klug nutzen.

Starke Argumente - damit Sie mit Ihrem BGM endlich durchstarten können.

Holen Sie sich meinen kostenlosen Wertschöpfungs-Kalkulator und berechnen Sie, was Fehlzeiten Ihren Betrieb wirklich kosten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.