Gesundheitszirkel im BGM – 5 Praxistipps zum Start

Sie wollen einen Gesundheitszirkel in Ihrem Betrieb einführen? Ihre Kolleginnen und Kollegen ins Betriebliche Gesundheitsmanagement einbinden? Regelmäßige Treffen durchführen und gemeinsam Maßnahmen erarbeiten?

Gute Idee.

Ihnen ist noch nicht ganz klar, wie Sie dabei vorgehen sollen?

Verstehe ich – da gibt´s auch am Anfang  ´ne Menge Fragen zu klären.

Lassen Sie uns zuerst mal einige Begriffe auseinander halten.

Gesundheitszirkel, Arbeitskreis Gesundheit, Steuerungskreis BGM – ja was denn nun?

Haben Sie schon ein bisschen recherchiert – im Internet, in Büchern? Ich hab´ das vor einiger Zeit mal gemacht und fand die Ergebnisse verwirrend.

Denn:

Gesundheitszirkel, Arbeitskreis BGM, Steuerungskreis Gesundheit – das sind Begriffe, zu denen es keine allgemein gültige Definitionen gibt. Wer sagt “Wir haben einen Arbeitskreis Gesundheit” der meint nicht unbedingt das, was Sie darunter verstehen. Jeder Gesundheitsverantwortliche kann sein Gremium natürlich nennen, wie er oder sie will.

Aus meiner Erfahrung ist es aber sinnvoll, dass Sie sich an übliche Bezeichnungen halten. Vor allem, wenn Sie auch außerhalb des Unternehmens über Ihre Arbeit berichten wollen. Dann gibt es weniger Missverständnisse.

Der Steuerungskreis entscheidet und steuert

Unter Arbeitskreis bzw. Steuerungskreis BGM/Gesundheit wird überwiegend dasselbe verstanden.

Es ist ein Gremium aus Geschäftsleitung, Führungskräften, ArbeitnehmervertreterInnen, GesundheitsmanagerIn und FachexpertInnen wie Betriebsarzt oder Sicherheitsfachkraft.

Im Steuerungskreis BGM stellen Sie unter anderem Ihre Ideen, Konzepte und Analyseergebnisse vor. Hier wird diskutiert, hier werden Entscheidungen getroffen. Entscheidungen, die in der Regel über Ihre Kompetenzen hinaus gehen und Auswirkungen auf mehrere Einheiten oder den ganzen Betrieb haben.

Hier wird also das Gesundheitsmanagement maßgeblich gesteuert. BGM-Maßnahmen werden koordiniert. Und sie werden mit den Zielen und Aktivitäten der Geschäftsleitung und anderer Einheiten koordiniert.

Mehr Informationen zum Steuerungskreis BGM und praktische Empfehlungen  gibt´s in  meinem Blogbeitrag Steuerungskreis BGM – Grundlagen und 22 ultimative Erfolgstipps.

 

 

 

Im Gesundheitszirkel geht es um die Erfahrungen der Beschäftigten

Ein Gesundheitszirkel besteht – anders als der Steuerungskreis – hauptsächlich oder ausschließlich aus Beschäftigten eines Betriebes. Die TeilnehmerInnen treffen sich in moderierten Meetings. Sie sammeln beispielsweise die Ursachen von gesundheitlichen Beschwerden im Betrieb.

Einen Gesundheitszirkel können Sie auch prima einsetzen, um gezielt Maßnahmenvorschläge zu erarbeiten. So können Wissen und persönliche Erfahrungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in BGM genutzt werden.

Ich halte viel davon, diesen Kreis homogen zu besetzen. Das bedeutet: Es treffen sich nur Mitarbeitenden oder nur Führungskräfte (sogenanntes Berliner Model). Gerade wenn Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz besprochen werden, schafft es einen vertraulicheren Rahmen, wenn die TeilnehmerInnen “unter sich” sind.

Sie könnten also in Ihrem BGM mit zwei Gremien arbeiten:

Aber: Sollten Sie das wirklich machen?  Schauen wir uns mal die Vorteile eines Gesundheitszirkels an – und die Nachteile auch.

Vor- und Nachteile eines Gesundheitszirkels

Was dafür spricht

Sie wissen es schon, oder?

Ich sag´s trotzdem, weil es wichtig ist: Mitarbeiterbeteiligung ist ein Grundprinzip im Betrieblichen Gesundheitsmanagement.

Aber warum eigentlich?

Naja, weil …

  • Beschäftigte am besten wissen, was an ihrem Arbeitsplatz gut läuft und was nicht.
  • Beschäftigte Ideen haben, wo und wie etwas im Betrieb verbessert werden kann. Viele haben Lösungsvorschläge im Kopf. Und mal ehrlich: Haben Sie nicht auch schon ab und an gedacht “Wenn ich hier Chef wäre, ich würde sofort XY verändern”.
  • Menschen sich wertgeschätzt und ernst genommen fühlen, wenn sie nach ihrer Einschätzung und ihrer Meinung gefragt werden.
  • Wir als Gesundheitsverantwortliche keine Maßnahmen vom grünen Tisch erarbeiten wollen. Wir wollen dran bleiben, an der tatsächlichen Arbeitssituation unserer Kollegen und Kolleginnen. Dafür müssen wir ihnen zuhören.
  • Beschäftigte die Gesundheitsangebote eher akzeptieren, wenn sie aus dem eigenen KollegInnen-Kreis vorgeschlagen wurden, als wenn sie von “oben” kommen. Die Identifikation ist deutlich höher.

Und genau diese Mitarbeiterbeteiligung lässt sich mit Gesundheitszirkeln bestens umsetzen.

Außerdem: Sie können hier regelmäßig Informationen und Fachinput zum BGM geben. Und Sie können sich Feedback zu Ihren BGM-Angeboten einholen.

Was die Nachteile sind

Ein Gesundheitszirkel …

  • muss gut organisiert werden. Sie wollen ja verwendbare Ergebnisse erzielen – logo. Das setzt voraus, dass Sie die Treffen ordentlich vor- und nachbereiten. Und das kann ein ziemlicher Aufwand sein. Finden die Meetings online statt, entfallen immerhin Raum- und  Anreiseorganisation. Dennoch: Auch die inhaltliche Vor- und Nachbereitung kostet Sie Zeit.
  • weckt Erwartungen. Wer daran teilnimmt erwartet, dass die erarbeiteten Vorschläge auch umgesetzt werden. Wenn das häufiger nicht passiert, sind viele enttäuscht und zweifeln am Sinn ihrer Teilnahme.
  • darf nicht zur Klagemauer werden. In den Meetings geht es um konstruktive Mitarbeit und nicht darum, nur zu Meckern.
  • der einmal ins Leben gerufen wurde, lässt sich nicht so schnell wieder abschaffen. Das muss erstklassig verargumentiert und kommuniziert werden. Ansonsten verstehen die Beschäftigten es als Signal, dass Gesundheit offenbar keine Rolle mehr im Betrieb spielt.

 

Machen Sie keine Maßnahmen vom grünen Tisch. Bleiben Sie dran, an der tatsächlichen Arbeitssituation.

Geht´s auch ohne?

Also: Bevor Sie ein solches Gremium gründen, überlegen Sie, ob Vor- und Nachteile für Sie in gutem Verhältnis stehen.

Nur mal angenommen, Sie entscheiden sich gegen einen Gesundheitszirkel – was könnten Sie stattdessen tun?

Hier 3 Beispiele:

  • Die “Arbeitssituationsanalyse” ist ein einmaliger Workshop. Beschäftigte bewerten die Bedingungen am Arbeitsplatz und stellen sie zusammen. Dann werden Lösungsideen erarbeiten. In diesem kurzen Film erklärt die BGN, wie es funktioniert:  Arbeitssituationsanalyse .
  • Auch durch eine schriftliche Befragung mittels Fragebogen – online oder analog – könnten Sie Beschäftigte in die Verbesserung der Arbeitssituation einbinden.

Nur können Sie – anders als im Rahmen eines Gesundheitszirkels – nicht nachfassen, um Erläuterung bitten. Zusammenhänge lassen sich schwerer ermitteln. Maßnahmen müssen später separat erarbeitet werden.

  • Der sogenannte “Beschäftigtenbeirat Gesundheit” bringt Beschäftigte und Geschäftsleitung unmittelbar ins Gespräch. Gesundheitsbezogene Themen werden gemeinsam diskutieren. Hier geht es darum, die obere Führungsspitze für die gesundheitliche Situation der Beschäftigten zu sensibilisieren. Die Commerzbank arbeitet damit.

Meine Praxistipps für den Start mit Ihrem Gesundheitszirkel

  1. Der Name ist Programm: Überlegen Sie gut, wie Ihr Gremium heißen soll. Es ist letztlich Ihre Sache, ob Sie sich für Gesundheitszirkel,  Arbeitskreis oder was anderes entscheiden. Gängige Bezeichnungen helfen Ihnen allerdings in der Außenkommunikation.
  2. Nie ohne Deckung: Erstellen Sie eine Entscheidungsvorlage für Ihre Leitung oder Ihren Steuerungskreis BGM. Sie brauchen die Rückendeckung Ihrer Geschäfts- und/oder Personalleitung für Ihr Vorgehen.  Wenn die Teilnehmer des Gesundheitszirkels sich treffen, fehlen sie in den Einheiten für das  Tagesgeschäft. Ohne die Rückendeckung der oberen Entscheidungsebene werden Sie auf  erhebliche Widerstände stoßen. Zeigen Sie in einem Konzept, wie Sie sich das Ganze vorgestellt haben:
    • Was ist das Ziel?
    • Welchen Auftrag bekommt der Gesundheitszirkel?
    • Wer soll teilnehmen? Wie werden die Teilnehmer ausgewählt?
    • Wie oft soll sich das Gremium treffen? Wie häufig?
    • Wer moderiert?
    • Wieviel Budget brauchen Sie dafür?
    • Was passiert mit den Ergebnissen der Treffen?
  3. Mit Recht:  Klären und beachten Sie Mitbestimmungsrechte des Betriebs- oder Personalrates.
  4. Bloß nix Undurchsichtiges: Wie Sie die Teilnehmer im Gesundheitszirkel auswählen, welche Kriterien gelten, welche Meeting-Ergebnisse an die Geschäftsleitung und die Führungskräfte weitergeleitet werden – mit diesen Themen sollten Sie unbedingt transparent umgehen.
  5. Gut kommuniziert ist halb gewonnen: Kommunizieren Sie die Gründung und einiges Details des Zirkels in die Belegschaft. Am besten zusammen mit Geschäftsleitung und Betriebsrat. Danach ist für alle klar, dass der Gesundheitszirkel auch von der oberen Führungsebene gewollt ist, wer dabei ist und was damit erreicht werden soll.

Fazit

Beschäftigte ins BGM einbinden ist ein MUSS. Die Betroffenen zu Beteiligten zu machen hat Vorteile für Sie als Betriebliche GesundheitsmanagerIn und für die Mitarbeitenden selbst. Ein Gesundheitszirkel ist da eine prima Möglichkeit.

Wenn die Ziele geklärt sind, die Rückendeckung der Geschäftsleitung und des Betriebsrates da sind, ist für eine erfolgreiche Umsetzung schon mal viel getan.

In meinem nächsten Blogbeitrag zeige ich Ihnen, was Sie bei der Vorbereitung und Durchführung eines Gesundheitszirkels unbedingt beachten sollten.

 

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