Wie Sie Teilnehmer für Ihren Gesundheitszirkel auswählen

20.01.2022

So viel ist mal klar – und als Gesundheitsverantwortliche wissen Sie das natürlich: Ein wirksames Betriebliches Gesundheitsmanagement bindet die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein.

 

  • Wenn Sie sich fragen, was sich im Betrieb schlecht auf Motivation und Gesundheit auswirkt ….
  • Wenn Sie wissen wollen, was bei den Arbeitsbedingungen verbessert oder abgeschafft werden sollte …
  • Wenn Sie praktische Lösungsideen brauchen, um wirksame Maßnahmen umzusetzen …

… immer dann hören Sie sich an, was die Betroffenen in Ihrem Betrieb oder Ihrer Verwaltung dazu meinen. Welche Erfahrungen sie machen. Welche Vorschläge sie haben.

Sie denken …

Das glaube ich Ihnen. Sie sind schließlich auch Mitarbeitende. Und als BGM-Experte oder -Expertin kennen Sie bestimmt wirksame Maßnahmen.

Und trotzdem –

verzichten Sie nicht auf die Beschäftigtenbeteiligung. Die Vorteile – und auch die Nachteile – habe ich Ihnen im Artikel gesundheitszirkel-im-bgm-5-praxistipps-zum-start mal zusammengestellt.

Ein erprobter Weg, das umzusetzen, ist ein Gesundheitszirkel. Er besteht – anders als der Steuerungskreis im BGM – hauptsächlich oder ausschließlich aus den Beschäftigten eines Betriebes.

Und genau an der Stelle haben meine KundInnen viele Fragen:

Wer soll eigentlich am Gesundheitszirkel teilnehmen können? Soll ich die Personen aussuchen? Ist eine Anfrage an alle Beschäftigten sinnvoll?

O.k. – schau´n wir uns das mal genauer an.

Der Auftrag des Gesundheitszirkels bestimmt die Anforderungen an die Teilnehmer

Hier mal Beispiele:

Der befristete Arbeitskreis

Der Gesundheitszirkel soll Ihnen – einmalig – bei der Analyse der Arbeitsbedingungen helfen.

Die TeilnehmerInnen sollen berichten, was gut läuft und was schlecht läuft. Was beansprucht die Gesundheit, was fördert sie?  Der Zirkel soll also die Bedingungen an den verschiedenen Arbeitsplätzen schildern. Über Hintergründe und mögliche Zusammenhänge diskutieren. Die Situation der Beschäftigten widerspiegeln und Lösungsideen vorschlagen.

Sie wollen die Zirkelteilnehmer dann 1-2 Mal zu einem Workshop zusammenrufen. Danach endet der Auftrag. Es ist im Grunde ein befristeter Arbeitskreis.

Als Teilnehmer kommt hierfür grundsätzlich Jeder in Frage.

Der dauerhafte Gesundheitszirkel

Der Gesundheitszirkel ist über einen langen Zeitraum oder sogar auf Dauer angelegt. Es geht darum, mehrmals im Jahr über Arbeitsbedingungen zu diskutieren und Lösungsideen zu erarbeiten. Und zum Beispiel auch darüber zu reden, wie Ihre BGM-Angeboten vor Ort ankommen.

Eine Teilnahme setzt also voraus, dass die Mitglieder sich regelmäßig die Zeit dafür nehmen können – und auch wollen. Und dass sie die Bereitschaft mitbringen, auch ab und zu – außerhalb der Treffen – ein paar Stunden für die Vor- und Nachbereitung aufzubringen.

Und: dass die Teilnehmer lösungsorientiert arbeiten. Meckern hilft nicht weiter.

Müssen die Leute gertenschlank sein, sich vegan ernähren, jeden morgen meditieren und mal mindestens einen Marathon gelaufen sein? (Ich übertreib´ mal ein bisschen).

Nein – natürlich nicht.

Aber nach meiner Erfahrung ist es auf alle Fälle wichtig, dass jeder, der mitmacht, motiviert ist und grundsätzliches Interesse an Gesundheitsthemen hat.

Die Rolle als Multiplikator für das BGM

Hierbei sollen die Teilnehmer des Zirkels auch die Aufgabe der Multiplikatoren für das Betriebliche Gesundheitsmanagement übernehmen.

Was meine ich damit?

Sie sind vor Ort in ihren Einheiten Unterstützer und Treiber für Gesundheitsförderung. Sie sind ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement und den Beschäftigten. Sie sollen ihre Kolleginnen und Kollegen aktiv über BGM und die Angebote informieren und zur Teilnahme an Maßnahmen motivieren.

Es ist zum eigentlichen Job noch eine zusätzliche Rolle.

Wer diesen Auftrag übernimmt, braucht den regelmäßigen Kontakt zu Ihnen und zum BGM. Außerdem sollte er oder sie ein sehr großes Interesse an Gesundheitsthemen haben und kommunikativ sein, also auf Menschen zugehen können.

Und:

Die Person sollte auch ein gewisses Maß an Vertrauen bei Beschäftigten und Führungskräften vor Ort genießen.

Wer im Gesundheitszirkel mitmacht, muss nicht gertenschlank sein, sich vegan ernähren und einen Marathon absolviert haben – aber ein großes Interesse an Gesundheitsthemen mitbringen.

Die Anzahl der Teilnehmer im Gesundheitszirkel hängt von der Größe des Unternehmens ab

Wie viele TeilnehmerInnen soll Ihr Gesundheitszirkel eigentlich haben?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten.

Es spricht viel für einen überschaubaren Kreis von 7 bis max. 12 Personen. Ist der deutlich größer, werden Diskussionen und gemeinsames Arbeiten schwieriger.

Sie arbeiten in einem großen Unternehmen? Dann werden Sie aber vermutlich mehr Personen beteiligen wollen. Der Gesundheitszirkel soll ja die Vielfalt der Belegschaft einigermaßen abbilden – also Vertreter aus unterschiedlichen Abteilungen, unterschiedlichen Altersgruppen, Frauen und Männer, etc. berücksichtigen.

Auch das kann funktionieren.

Was Sie dafür brauchen ist eine passende Moderationsmethode, die auch für größere Gruppen gute Ergebnisse sicherstellt. Hier ein paar Beispiele Karriere-Bibel Workshopmethoden. 

Wege, um Interessenten für den Gesundheitszirkel zu finden

Schon mal vorweg: Den Weg, den Sie für die Auswahl der Teilnehmer gehen wollen, stimmen Sie bitte unbedingt mit Ihrer Geschäfts- und/oder Personalleitung ab.

Und Ihre Interessenvertretung hat ein Mitbestimmungsrecht. Denn der Gesundheitszirkel kann als Teil des betrieblichen Vorschlagswesens gesehen werden und dann greift § 87 Abs. 1, 12 des Betriebsverfassungsgesetzes.

Hier 2 Möglichkeiten, wie Sie vorgehen können:

Handverlesen – die Teilnehmer werden bestimmt

Wenn Sie großen Einfluss auf die Zusammensetzung Ihres Zirkels nehmen wollen, dann ist das eine Möglichkeit. Sie könnten potenzielle Kandidaten in einem Meeting mit PersonalkollegInnen, Sicherheitsfachkraft, Betriebsarzt und Betriebsrat sammeln und festlegen.

Machen Sie das wirklich mit KollegInnen zusammen, die die Belegschaft gute kennen bzw. einen guten Überblick haben. Je mehr Informationen Sie für die Zusammenstellung Ihrer Kandidatenliste bekommen, umso besser.

Anschließend sprechen Sie die möglichen Kandidaten aktiv an.

Der Nachteil, wenn Sie die TeilnehmerInnen Ihres Gesundheitszirkels auf diese Weise auswählen: Ihr Gremium bekommt möglicherweise das Image eines “Inner Circle” und verliert damit an Akzeptanz bei den Beschäftigten.

Aufruf an alle – Interessenten sollen sich melden

Bei dieser Methode kann sich jeder im Betrieb melden, der Interesse hat, beim Gesundheitszirkel mitzumachen.

Wie immer Sie das kommunizieren – über Email an alle, durch einen Artikel in Ihrer Mitarbeiterzeitung, im Intranet, als Aushang, über die Führungskräfte – eines ist besonders wichtig:

Beschreiben Sie darin genau, was die TeilnehmerInnen des Kreises später erwartet. Informieren Sie beispielsweise über den voraussichtlichen Zeitaufwand, über den Auftrag und über die Voraussetzungen, die jeder mitbringen sollte.

Wenn sich nun jeder Mitarbeitende für Ihr Gremium melden kann – wie können Sie trotzdem Einfluss auf die Zusammensetzung Ihres späteren Gesundheitszirkels nehmen?

Durch ein Bewerbungsverfahren!

Aus eigener Erfahrung lege ich Ihnen das sehr ans Herz:

Soll Ihr Gesundheitszirkel viele Jahre arbeiten, sollen die Mitglieder vielleicht sogar eine Multiplikatorenfunktion übernehmen?

Dann muss jeder, der Interesse an einer Mitarbeit hat, einen Bewerbungsbogen ausfüllen und darin einige Fragen beantworten.

Orientieren Sie Ihre Fragen an den Erwartungen, die Sie an die Teilnehmer stellen.

Diese Fragen sind nur mal ein Vorschlag. Ihnen können natürlich ganz andere Themen wichtig sein. Machen Sie den Fragebogen nur nicht so lang und so kompliziert, dass er zur Hürde für die InteressentInnen wird.

Die Teilnehmer für den Gesundheitszirkel auswählen

Ich weiß, ich wiederhole mich: Bitte die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates beachten.

Sie wollen keinen Bewerbungsbogen nutzen?

O.k. Dann ist die Auswahl der Teilnehmer einfach.

Entweder Sie machen es nach dem Motto “wer zuerst kommt, malt zuerst”. Sie besetzen also die Plätze im Gesundheitszirkel nach Eingang der Meldungen.

Oder Sie packen die Namen aller InteressentInnen in einen großen Topf und ziehen so viele Namen, wie Ihr Gesundheitszirkel Teilnehmer haben soll.

Für´s “Namen ziehen” nehmen Sie z.B. einen Auszubildenden, ein Betriebsratsmitglied oder auch die Betriebsärztin – in jedem Fall eine neutrale Person. Und das Ereignis lässt sich auch später prima mit Foto intern vermarkten.

Eine aufwendigere Methode:

Sie lassen die Kandidaten von den Beschäftigten wählen. Mal abgesehen vom organisatorischen Aufwand: Ein Wahlverfahren wird den ein oder anderen Interessenten vermutlich abschrecken. So selbstbewusst ist nicht jeder, dass er oder sie das Risiko eingeht, von den Kollegen nicht gewählt zu werden.

Der Vorteil, den die Wahlmethode allerdings hat: Die Gründung Ihres Gesundheitszirkels erhält in der Belegschaft nochmal eine ganz andere Aufmerksamkeit.

Teilnehmerauswahl mit Bewerbungsbogen

Die Interessenten am Gesundheitszirkel haben einen Fragebogen ausgefüllt und Ihnen zugeschickt?

Dann müssen Sie nun entscheiden, welche Mitarbeitenden am besten auf die Anforderungen passen. Auch hier empfehle ich Ihnen wieder, diese Auswahl nicht mutterseelenalleine zu treffen. Machen Sie das in einem Team.

Das ist mühsamer und zeitaufwendiger. Klar. Aber andere Sichtweisen bei der Beurteilung einzubeziehen wird Ihren Gesundheitszirkel bereichern.

Im Optimalfall haben Sie am Ende deutlich mehr passende Kandidaten, als Plätze im Gesundheitszirkel. Dann können Sie – wie oben schon beschrieben – die endgültigen Namen aus einem Topf ziehen lassen.

Warum ist das optimal?

Na, so ist es letztlich auch Glücksache, ob jemand ausgewählt wird. Das erspart Ihnen viele Diskussionen mit alldenjenigen, die am Ende im Gesundheitszirkel nicht mitmachen können.

Fazit

Die Auswahl der TeilnehmerInnen für Ihren Gesundheitszirkel ist wichtig.

Soll das Gremium längere Zeit zusammen arbeiten? Haben die Mitglieder auch eine Multiplikatorenfunktion? Dann ist es für Ihren Erfolg im BGM notwendig, sich gründlich Gedanken zum Auswahlverfahren zu machen und abzuwägen, welches zu Ihrem Unternehmen passt.

Für die Akzeptanz des Gesundheitszirkels ist es gut, wenn jeder in der Organisation sich um eine Teilnahme bewerben kann. Verwenden Sie einen Bewerbungsbogen. Das gibt Ihnen die Chance, dennoch Einfluss auf die Zusammensetzung des Zirkels zu nehmen.

Also dann: Legen Sie los.

Und schreiben Sie mir bitte, wie er läuft – Ihr Gesundheitszirkel

 

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