Analyse im BGM – 4 kostenlose Tools, die es Ihnen spielend leicht machen

8.10.2019

Sie wollen, dass Ihre Beschäftigten gesund und leistungsfähig sind? Dass alle motiviert und mit innovativen Ideen das Unternehmen voran bringen?

Vielleicht überlegen Sie ja gerade, welche Gesundheitsangebote Sie dafür anbieten könnten. Ob´s eher der Yoga-Kurs oder das Seminar “Gesund Führen” sein sollte.

Meine Empfehlung dazu:

Machen Sie das bitte noch nicht!!

Machen Sie es jedenfalls dann noch nicht, wenn Sie noch keine Analyse Ihrer Ausgangssituation gemacht haben.

Denn zunächst brauchen Sie eine Grundlage für Ihre Maßnahmen.

Sie müssen wissen, wie es um die physische und psychische Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steht. Welche Risikofaktoren es im Arbeitsumfeld gibt. Was ihre größten Handlungsfelder sind. Was sie konkret mit welchem Ziel verbessern wollen.

Eine Analyse steht am Anfang Ihres erfolgreichen BGMs.

Ohne Analyse stochern Sie im Nebel

Wenn Sie ziellos irgendwelche Maßnahmen umsetzen, irgendeine Aktion machen, dann verschwenden Sie Euros und Zeit. So optimieren Sie im Unternehmen rein gar nichts.

Warum?

Weil Sie ja gar nicht wissen, ob Ihre geplanten Maßnahmen überhaupt geeignet sind, die individuellen Verhältnisse in Ihrem Betrieb oder das Verhalten Ihrer Beschäftigten zu verbessern.

Als Gesundheitsverantwortlicher werden Sie so nicht erfolgreich sein.

Gerade kleinere Betriebe machen häufig diese Fehler:

  • Sie denken, eine Analyse ist teuer oder aufwendig. Darum verzichten sie lieber darauf.
  • Sie setzen Maßnahmen um, die zufällig irgendjemand vorgeschlagen hat. Weil der Vorschlag ganz sinnvoll klang.
  • Sie fragen mal bei den Beschäftigten nach, was die gerne hätten.

Ist es bei Ihnen ähnlich?

Haben Sie dann manchmal das Gefühl, dass Sie Ihr BGM etwas systematischer angehen sollten? Dass es Ihnen helfen würde, Ihre Ausgangssituation bei der Beschäftigtengesundheit besser zu verstehen?

Die gute Nachricht ist:

Es gibt kostenlose Fragebögen und Programme, die Ihnen das Leben bei Ihrer Analyse einfacher machen.

Bevor ich Ihnen Einige vorstelle:

Schau´n wir, was Sie näher unter die Lupe nehmen sollten und machen einen kurzen Ausflug in die Grundlagen des BGMs.

Muss sein 😉

Die Kombi aus Arbeitsschutz, BGF und BGM macht´s

Sie wollen, dass in Ihrem Betrieb alle lange gesund arbeiten können.

Wie erreichen Sie das?

Erstens:  Durch einen guten Arbeitsschutz

Für einen guten Arbeitsschutz führen Sie regelmäßig Gefährdungsbeurteilungen durch. Gefährdungen sind Faktoren, die im Betrieb zu Unfällen oder zu Erkrankungen führen können. Die müssen Sie oder Ihre Sicherheitsfachkraft erheben und bewerten.

Und dann entwickeln Sie Maßnahmen, um diese Gefährdungen zu reduzieren oder sogar zu beseitigen. Dabei geht es nicht nur um die Risiken für die körperliche Gesundheit Ihrer Beschäftigten. Beurteilen müssen Sie auch die psychischen Gefährdungsfaktoren.

  • Ein Beispiel: Die MitarbeiterInnen an einer Supermarkt-Kasse soll nicht durch falsche Sitzpositionen und immer gleiche Bewegungsabläufe Probleme mit ihrem Rücken bekommen. Als Schutzmaßnahme werden diese Arbeitsplätze ergonomisch gestaltet.
  • Ein neuer Mitarbeiter in der Buchhaltung: Er kennt das IT-Programm nicht und kann sich mit seinen Fragen an niemanden wenden. Er wird vermutlich sehr gestresst sein und psychisch darunter leiden. Eine geplante und systematische Einarbeitung von neuen MitarbeiterInnen wäre hier eine mögliche Schutzmaßnahme.

Zweitens:  Durch eine gezielte Betriebliche Gesundheitsförderung

Nicht alles, was uns krank machen könnte – am Arbeitsplatz und im Privatleben – lässt sich zum Beispiel durch Maßnahmen des Arbeitsschutzes – abstellen.

  • Beispiele aus der Arbeitswelt: Ein Chef, der keine Entscheidungen trifft. Zu viel Arbeit für zu wenig Personal. Emails ohne Ende. Mit Arbeitsschutzmaßnahmen abstellen? Geht nicht!
  • Oder im Privatleben: Immer wieder Streit in der Familie. Neben dem Job die Zeit für zu pflegende Eltern finden. Geldsorgen. Durch eine geniale Idee einfach abstellen? Keine Chance!

Wer trotzdem gesund bleiben will, braucht Ressourcen. Gemeint sind damit Dinge, die uns stärken. Die uns immer wieder Kraft, Halt und Unterstützung geben, auch wenn die Umstände schwierig sind.

Genau da setzt die Betriebliche Gesundheitsförderung BGF an. Sie will diese gesundheitlichen Ressourcen im Unternehmen und bei jedem Einzelnen stärken.

Was können solche Ressourcen sein? Zum Beispiel …

  • die Unterstützung der KollegInnen im eigenen Team,
  • ein Chef, der wertschätzend führt und Ihnen den Rücken freihält,
  • die eigene Fähigkeit, abschalten und sich abgrenzen zu können,
  • aber auch das Wissen und die Kraft für einen gesunden Lebensstil.

Im BGF werden Sie also Maßnahmen umsetzen, die zum einen gesundheitsförderlichen Rahmenbedingungen schaffen (z.B. Zusammenhalt im Team, wertschätzende Führungskultur).

Und die zum anderen die Kompetenzen der Beschäftigten, auf ihre Gesundheit zu achten, fördern. Dazu zählen zum Beispiel eine gesunde Ernährung, viel Bewegung, Entspannungsfähigkeit, ausreichend Schlaf, verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol, etc.

Drittens: Durch ein systematisches Betriebliches Gesundheitsmanagement

Um vor Gefährdungen zu schützen und Ressourcen zu stärken, wollen Sie systematisch und geplant vorgehen.

Sie wollen Prozesse und Strukturen schaffen und mit einer guten Strategie Ihre Ziele erreichen. Arbeitsschutzmaßnahmen und BGF-Angebote greifen ineinander und sind mit anderen Maßnahmen im Unternehmen vernetzt.

Was genau BGM und BGF in meinen Augen unterscheidet? Ich erklär´s mal mit einem Bild:

 

Was Ihre Analyse im BGM können muss

Ich spul´ mal kurz zurück:

Wir kamen von der Frage: Was sollten Sie bei Ihrer Analyse unter die Lupe nehmen?

Eine Analyse im BGM muss genau diese drei Punkte auf den Prüfstand stellen und diese Fragen für Ihren Betrieb beantworten:

  • Wie gut ist unser Arbeitsschutz? Erfüllen wir alle rechtlichen Vorgaben? Wo haben wir noch Handlungsbedarf?
  • Wie gut ist unsere Gesundheitsförderung? Welche Ressourcen sind im Unternehmen schon vorhanden, welche brauchen wir noch? Wie beurteilen unsere MitarbeiterInnen und Führungskräfte die Arbeitsbedingungen? Was läuft gut, was läuft schlecht?
  • Wie gut ist unser Gesundheitsmanagement? Wissen wir, was unsere langfristigen Ziele bei der Beschäftigtengesundheit sind? Haben wir eine Strategie um dieZiele zu erreichen? (Dazu können Sie mehr erfahren, in meinem Blogartikel Ziele, Strategie, Konzept im BGM – Wie Sie richtig anfangen ). Woran messen wir die Wirkung unserer Maßnahmen?

Wenn Sie noch nie eine solche Analyse gemacht haben, dann wird es jetzt wirklich höchste Eisenbahn.

Reicht es, wenn Sie das ein einziges Mal machen? Nein.

Ich empfehle Ihnen, sich diese Fragen immer wieder zu stellen. Am besten gemeinsam mit Ihrem Arbeitsschutzausschuss oder Ihrem Steuerungskreis BGM. Und wenn Sie neue Handlungsfelder gefunden haben, setzen Sie Maßnahmen um und stellen sich danach die Fragen erneut.

Es ist ein nie endender Prozess, durch den Ihr BGM immer besser wird.

Ihre Aufgabe ist jetzt: Starten Sie Ihre Analyse.

Lassen Sie sich nicht von fehlendem Budget oder von der Unsicherheit, wie Sie genau vorgehen sollen, abhalten.

Hier zeige ich Ihnen 4 Instrumente, die vor allem für kleinere oder mittelgroße Unternehmen und kleinere Behörden hilfreich sind. Damit können Sie starten.

Mit diesen kostenlosen Tools machen Sie spielend leicht Ihre Analyse im BGM

Der INQA-Check „Gesundheit“ – schnell und einfach anzuwenden

Analyse BGM - INQA-Check Gesundheit

INQA ist die Abkürzung für „Initiative Neue Qualität der Arbeit“. Auf deren Internetseiten finden Sie hilfreiche Informationen und Instrumente. Unbedingt mal hier reinschauen. Hier gibt´s den Check:

Diese sechs Handlungsfelder werden überprüft – Gesundes Unternehmen (Strategie)| Gesundes Arbeitsumfeld | Gesunde Organisation | Gesunde Führung | Gesundes Miteinander (Unternehmenskultur) | Gesundes Verhalten

Sie bewerten Ihren Betrieb anhand von bewährten Maßnahmen aus anderen Unternehmen oder allgemeinen Qualitätsstandards.

Es gibt viele zusätzliche Tipps und Links zu weiteren Informationsquellen. Anregungen und Beispiele helfen, geeignete Maßnahmen zu finden. Ein Arbeitsblatt für einen Maßnahmenkatalog steht zur Verfügung.

Den Check können Sie als pdf bzw. gedruckte Broschüre nutzen oder online bearbeitet.

Der Check ist vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen geeignet, die ein schnelles und schlankes Verfahren suchen. Es ist einfach, mit ihm zu arbeiten.

Seit kurzem gibt es auch einen separaten Check Gesundheit für die öffentliche Verwaltung. Den finden Sie hier .

Der KulturCheck von kommitmensch – mit detaillierten Handlungshilfen

Analyse BGM - Der KulturCheck

Kommitmensch heißt eine Kampagne der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen. Sie will die Präventionskultur in Unternehmen verbessern. Zwar wurde das Projekt Ende 2021 beendet, aber die Handlungshilfen, Checklisten und Unterlagen stehen weiterhin zur Verfügung.

Wenn Sie sich auf den Internet-Seiten Ihrer zuständigen BG oder Unfallkasse umsehen, werden Sie sicherlich ebenfalls die Informationen zu der Kampagne finden.

Und so funktioniert der Check: 

Diese sechs Themenfelder werden überprüft – Führung | Kommunikation | Beteiligung | Fehlerkultur | Betriebsklima |Sicherheit und Gesundheit

Der Check besteht aus zwei Teilen: Teil 1 (StrukturCheck) ist dafür gedacht, dass ein Arbeitskreis z.B. aus Geschäftsleitung, Sicherheitsfachkraft, Betriebsarzt, Betriebsrat die Bedingungen im Unternehmen bewertet.

Teil 2 (BeschäftigtenCheck) ist eine Mitarbeiterbefragung, durch die die subjektive Sicht der Beschäftigten auf die Themenfelder abgefragt wird.

Es gibt sehr genaue Beschreibungen, wie Sie mit dem KulturCheck arbeiten können. Der gesamte Prozess ist von der Startvorbereitung bis zur Ergebnispräsentation beschrieben.

Detaillierte Vorlagen für Besprechungen, Bewertungsverfahren, Auswertungshilfen und Präsentationsvorlagen machen es Ihnen gerade dann leicht, wenn Sie noch keine Erfahrung mit solchen Prozessen haben.

Die Unterlagen können Sie downloaden. Achtung: Wenn Sie den BeschäftigtenCheck online durchführen wollen, wird aus Datenschutzgründen ein externer Anbieter empfohlen.

Aus meiner Sicht liefert aber auch der StrukturCheck allein schon wertvolle Erkenntnisse.

Es gibt auch einen Kurzcheck, der aber nur als Impuls am Anfang helfen kann.

Der gesamte Ablauf bis zur Maßnahmenentwicklung ist mit ca. 6 Monaten angegeben. Dafür wird allerdings auch die Mitarbeiterperspektive ausführlich (BeschäftigtenCheck) einbezogen.

Der KulturCheck ist geeignet für Unternehmen ab 50 Mitarbeitenden und für Gesundheitsverantwortliche, die sich eine sehr detaillierte Unterstützung im gesamten Prozess wünschen.

Das GESIOP-Tool für gesunde Arbeit – interessanter Ansatz

Analyse BGM - Gesiop-Tool für gesunde Arbeit

GESIOP steht für „Gesundheitsmanagement aus inter-organisationaler Perspektive“. Das Projekt will die Gesundheit von Beschäftigen nicht nur im einzelnen Betrieb fördern. Es sollen auch Zulieferer, Niederlassungen etc. mit einbezogen werden. Und so funktioniert der Check:

Diese acht Themenbereiche werden bewertet – Bedingungen und Strukturen | Ansatzpunkte und Inhalte: bedingungsbezogen | Ansatzpunkte und Inhalte: personenbezogen | Berücksichtigung verschiedener Beschäftigungsgruppen | Beschäftigungsverhältnisse | Gestaltung gesundheitsbezogener Maßnahmen – Information und Datenschutz| Einbeziehung Verbraucher*innen Netzwerke und Wertschöpfungskette | Gründe für gesundheitsbezogene Maßnahmen

Das GESIOP-Tool besteht aus zwei Teilen: Einem Bewertungsbogen und einem Manual, das Erläuterungen, Bewertungshilfen und Handlungsempfehlungen enthält. Der Bewertungsbogen wird als Kurzfassung allen Betrieben mit 25 bis 250 Mitarbeitern und in Langfassung Betrieben mit > 250 Mitarbeitern empfohlen.

Der Check steht zum Download zur Verfügung. Er ist insgesamt schlank gehalten – eine Mitarbeiterbefragung ist darin nicht vorgesehen. Es sollen Gesundheitsmanager, Personaler, Interessenvertretungen und die Geschäftsleitung damit arbeiten.

Was diesen Check besonders macht: Über die betriebliche Perspektive hinaus wird die Wertschöpfungskette berücksichtigt d.h. Zulieferbetriebe, Kooperationspartner und Verbraucher*innen werden einbezogen.

Bei den Themenbereichen werden auch ethische Aspekte aufgegriffen, wie etwa die Frage der Verantwortung des Unternehmens für die Gesundheit der Arbeitenden.

Der Check eignet sich besonders für Unternehmen, die BGM auch als Teil ihrer Corporate Social Responsibility verstehen und die ihre Filialen und Zulieferer in ein BGM einbeziehen wollen.  Er schafft eine gemeinsame Grundlage am Anfang.

Der Check „Gute Büroarbeit“ – Gesundheit und mehr

Analyse BGM - Check Gute Büroarbeit

Er wurde vom Deutschen Netzwerk Büro e.V. entwickelt, das gute und gesunde Büroarbeit fördern will. Gute Büroarbeit wird hier nicht nur unter gesundheitlichen Aspekten bewertet, sondern auch mit Blick auf Wirtschaftlichkeit im Büro 4.0. Und so funktioniert der Check:

Diese sechs Handlungsfelder werden bewertet – Eine motivierende und kooperative Arbeitskultur ermöglichen | Potenziale der Menschen entfalten | Wissen zur Erfolgsbasis machen | Informationstechnologien intelligent nutzen | die Bürogestaltung als Wertschöpfungsfaktor | Prozesse und Produkte ständig intelligent erneuern

Da das DNB zu INQA gehört, ist der Check analog aufgebaut, wie der INQA-Check “Gesundheit”.

Auch hier bewerten Sie Ihren Betrieb anhand von Maßnahmenbeispielen aus anderen Unternehmen oder anerkannten Qualitätsstandards. Es gibt hilfreiche Zusatzinformationen und nützliche Links.

Der Check steht als interaktiver Online-Check und als gedruckte Broschüre zur Verfügung.

Er ist besonders geeignet für Unternehmen bis ca. 500 Mitarbeiter mit Büroarbeit.

Aber auch Verwaltungen, Behörden oder Organisationen können mit dem Check schnell und wirksam die wesentlichen Aspekte einer guten präventiven Büroarbeitsgestaltung überprüfen und Maßnahmen festlegen.

Ihre nächsten Schritte für die Analyse im BGM

  • Schauen Sie sich die Checks genau an. Sie haben unterschiedliche Schwerpunkte. Welcher passt – zu Ihnen, zu Ihrem BGM und Ihrem Unternehmen? Wählen Sie einen aus.
  • Überlegen Sie, wer den Check alles ausfüllen sollte. Wessen Bewertung ist für Sie wichtig und hilfreich? Das können sein die Sicherheitsfachkraft, Ihr Betriebsarzt, Ihr Betriebs- oder Personalrat, die Schwerbehindertenvertretung, die Geschäftsleitung, Führungskräfte und Mitarbeiter.
  • Stellen Sie den Check diesen Personen vor und vereinbaren Sie, wie sie damit gemeinsam arbeiten wollen.

Und wenn Sie Ihre Analyse mit einem der Tools durchgeführt haben, dann schreiben Sie mir doch bitte in den Kommentar, wie Ihre Erfahrungen mit diesen Checks sind. Vielleicht nutzen Sie auch ganz andere Instrumente? Welche sind es?

2 Kommentare

  1. Fischer

    Hallo Frau Goldstein,

    ein wertvoller Beitrag für alle die nicht wissen, wie sie starten sollen. Vielen Dank!

    Viele Grüße Jasmin Fischer

    Antworten
    • Karin Goldstein

      Vielen Dank für die Rückmeldung – das freut mich!

      Antworten

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