8 starke Fakten, warum Ihr Betrieb ein BGM braucht (aktualisiert 09/2021)

Kennen Sie das? Ihnen fallen ohne Probleme eine Menge Gründe ein, warum Ihr Betrieb ein BGM braucht.

Und als GesundheitsmanagerIn haben Sie auch Ideen, wie es aussehen sollte. Denn Sie wissen genau, wo bei Ihren Kollegen und Kolleginnen der Schuh drückt – was schlecht läuft, warum die Fehlzeiten hoch sind.

Leider bekommen Sie für Ihre Vorschläge gar keine Rückendeckung. Es heißt immer: Kein Budget, kein Personal, keine Zeit.

Träumen Sie auch davon, Ihren Chef endlich von einem BGM zu überzeugen?

Die Frage: “Warum braucht unser Betrieb ein BGM?” Die Antwort: Liegt in harten Fakten.

Andere zu überzeugen, dazu gehört schon Einiges. In jedem Fall brauchen Sie starke Argumente. Denn wie Ihr Chef sein Budget und Personal einsetzt, ist letzten Endes eine Frage seiner Prioritäten.

Ihr Ziel ist es also, die Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden auf seiner Prioritätenliste weiter nach oben zu rücken.

Dazu wollen Sie deutlich machen, warum es überhaupt notwendig ist, sich um die Gesundheit der Beschäftigten in Ihrem Betrieb gezielt zu kümmern.

Welche Folgen haben kritische Arbeitsbedingungen und die demographische Entwicklung für den wirtschaftlichen Erfolg Ihres Unternehmens?

Sie wissen nicht, wie Sie da ran gehen sollen?

Kein Problem: Ich hab´ Ihnen mal was zusammengestellt ….

Fakt 1: Ihre Beschäftigten spüren wachsenden Stress, Druck und steigende Anforderungen am Arbeitsplatz

Vermutlich ist es bei Ihnen im Betrieb kaum anders.

Neue Computersoftware wird eingeführt, neue Technologien und Produkte werden entwickelt. Abteilungen werden umstrukturiert und das alles – zumindest gefühlt – in immer kürzeren Abständen.

Unsere Welt wird schneller und komplexer. Wir müssen laufend Neues lernen und uns ständig auf Veränderungen einstellen.

Deshalb haben vor allem höher qualifizierte Beschäftigte, wie Meister, Techniker und Hochschulabsolventen den Eindruck, dass Stress, Arbeitsdruck und die fachlichen Anforderungen an ihrem Arbeitsplatz zunehmen:

Warum BGM Arbeitswelt-2021 Diagramm Stress und Arbeitsdruck BAUA

aus: S. Brenscheidt, A. Siefer, H. Hinnenkamp, L. Hünefeld, S.-C. Meyer, N. Backhaus: Arbeitswelt im Wandel: Zahlen – Daten – Fakten (2021). Ausgabe 2021, Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2021. 

Fakt 2: Viele Termine, Leistungsdruck und Arbeitsunterbrechungen – das belastet

Haben Sie auch Kolleginnen und Kollegen, die hohe Anforderungen und Zeitdruck motivierend finden? Die es als sportliche Herausforderung nehmen? Negative Auswirkungen auf Ihre Gesundheit spüren sie gar nicht.

Das gilt aber sicher nicht für alle.

Wir arbeiten heute unter Bedingungen, die für Viele sehr belastend sind. Zum Beispiel, wenn wir häufig Terminstress haben und immer Top-Leistung bringen müssen.

Warum BGM Arbeitswelt-2021 Diagramm Termin und Leistungsdruck BAUA

aus: S. Brenscheidt, A. Siefer, H. Hinnenkamp, L. Hünefeld, S.-C. Meyer, N. Backhaus: Arbeitswelt im Wandel: Zahlen – Daten – Fakten (2021). Ausgabe 2021 Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2021. 

Dazu zählt auch, wenn wir bei der Arbeit oft unterbrochen oder gestört werden. Zum Beispiel durch Emails, durch Telefonanrufe oder durch KollegInnen.

Wir werden abgelenkt von unserer eigentlichen Aufgabe, müssen eine Entscheidung treffen, wie wir mit der Unterbrechung umgehen (sofort bearbeiten, später bearbeiten, ignorieren oder jemand anderem übergeben) und uns dann wieder in unsere Hauptaufgabe eindenken.

Das klingt erstmal nicht weiter schlimm. Aber es kostet uns viel Zeit und Energie – und stresst manche Menschen, vor allem, wenn es häufig vorkommt.

Fakt 3: Ausfallrisiko für Unternehmen: Fast ein Drittel der Beschäftigten fühlt sich erschöpft

Jede Einzelne der vorgenannten kritischen Arbeitsbedingungen kann schon belastend sein.

Je mehr davon gleichzeitig auftreten, umso häufiger merken Menschen dies gesundheitlich. Viele sind erschöpft, müde, gereizt und schlafen schlecht.

 

Warum BGM Arbeitswelt-2021 Diagramm Beschwerden BAUA

aus: S. Brenscheidt, A. Siefer, H. Hinnenkamp, L. Hünefeld, S.-C. Meyer, N. Backhaus: Arbeitswelt im Wandel: Zahlen – Daten – Fakten (2021). Ausgabe 2021, Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2021. 

Die Daten der BAUA beruhen auf einer Befragung in 2018. Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie werden die psychische Situation von Beschäftigten kaum verbessert haben.

Und wie geht es Ihnen, wenn Sie sich müde und erschöpft fühlen?

Können Sie sich dann noch gut auf Ihre Arbeit konzentrieren? Schaffen Sie viel und machen keine Fehler? Wohl eher nicht.

Im Gegenteil. Vielleicht zieht Ihr Körper auch bald die Notbremse und Sie werden krank.

Ihren Chef sollten solche Fakten alarmieren, denn höhere Fehlzeiten können die Folge sein. Unbedingt ein Argument, warum Ihr Betrieb ein BGM braucht.

Fakt 4: Fachkräftemangel bringt Mehrbelastung für die Belegschaft

Und es kann noch schlimmer kommen:

Der Deutsche Industrie-und Handelskammertag (DIHK) berichtet im Rahmen seiner Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn 2021:

“Der Fachkräftemangel bleibt trotz der im Vergleich zu den Vorjahren insgesamt geringeren konjunkturellen Arbeitskräftenachfrage für fast vier von zehn Unternehmen (38 Prozent) ein Geschäftsrisiko – das gegenüber Herbst 2020 (37 Prozent) wieder leicht zunimmt.” (Die Konjunktur zu Jahresbeginn 2021 (dihk.de), Beschäftigungsabsichten)

Will Ihr Betrieb neue Märkte erobern, die Prozesse digitalisieren, neue Produkte entwickeln? Können freie Stellen aber nicht durch gut ausgebildete neue Fachkräfte besetzt werden?

Dann heißt das wahrscheinlich, dass auf die vorhandenen MitarbeiterInnen mehr Arbeit zukommt.

Bereits in seinem Arbeitsmarktreport 2019 lautet die Empfehlung des DIHK daher: ” Unternehmen sind hier mit einer Personalpolitik gefordert, die eine lange Erwerbstätigkeit ermöglicht.”

Also: Warum braucht Ihr Betrieb ein BGM?

Weil ein Betriebliches Gesundheitsmanagement Ihnen die richtige Strategie und Instrumente liefert, um die Gesundheit Ihrer älter werdenden Belegschaft systematisch und nachhaltig zu fördern.

Genau so können Sie Ihren Beschäftigten eine lange Erwerbstätigkeit ermöglichen und dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

Fakt 5: Wer viele Überstunden macht, hat mehr gesundheitliche Beschwerden

Wenn also Beschäftigte zukünftig noch mehr arbeiten müssen, dann schauen Sie sich bitte mal den Zusammenhang zwischen Arbeitszeit und Gesundheit an:

Wer in Deutschland Vollzeit arbeitet (das bedeutet in der Regel eine Wochenarbeitszeit von 40 Stunden), macht im Durchschnitt  knapp 5 Überstunden pro Woche.

Das Problem ist: Tendenziell treten mit längerer Arbeitszeit deutlich häufiger gesundheitliche Probleme auf.

Warum BGM - Graphik Tatsächliche Wochenarbeitszeit

aus: Dr. Anne Marit Wöhrmann, u.a., BAuA Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (2016): Arbeitszeitreport Deutschland 2016, S. 38

Fakt 6: Wer aus psychischen Gründen krankgeschrieben wird, fällt meist lange aus

Wundert es Sie also, dass „psychische Störungen“ zu den drei Hauptursachen für Krankentage zählen?

An der Spitze der Diagnosen stehen alljährlich die “Muskel- und Skeletterkrankungen“. Allerdings: Anhaltender Stress macht sich auch gerne in Nacken- und Rückenschmerzen bemerkbar.

Und noch eine schlechte Nachricht:

Wer wegen psychischer Störungen krankgeschrieben wird, fehlte 2020 gemäß Auswertungen der DAK im Durchschnitt 38,8 Tage (!). Längere Ausfallzeiten bringt keine andere Diagnose mit sich.

Warum BGM - Diagramm durchschnittliche Falldauer Fehlzeiten

aus: P s y c h r e p o r t  2021, E n t w i c k l u n g e n  d e r  p s y c h i s c h e n  E r k r a n k u n g e n  i m J o b : 2 0 1 0 – 2020, Iges DAK Gesundheit, 18.2.2021

Fünf lange Wochen, in denen die Arbeit vom restlichen Team übernommen werden muss und sich der Zeit- und Leistungsdruck dort erhöht.

Fakt 7: Demographischer Wandel: Das Durchschnittsalter in Unternehmen steigt und steigt

Was die Situation noch weiter verschärft:

Der Anteil der über 49-Jährigen Arbeitnehmer steigt ständig – eine Folge der niedrigen Geburtenrate in Deutschland. Es rücken immer weniger jüngere Mitarbeiter nach.

Das Problem ist: Wenn wir älter werden, erhöht sich leider statistisch auch das Risiko, eine chronische Erkrankung zu bekommen wie zum Beispiel Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs. Eine Erkältung ist meist in einer Woche überstanden. Bis wir mit chronischen Erkrankungen wieder arbeiten können, dauert es deutlich länger.

Das zeigt sich an den betrieblichen Fehlzeiten:

Ältere Arbeitnehmer fehlen krankheitsbedingt nicht häufiger als die jungen (Anzahl der Fälle), aber dafür länger (Anzahl der Tage).

 

aus: F.Knieps | H.Pfaff (Hrsg.): Mobilität – Arbeit – Gesundheit. BKK Gesundheitsreport 2020, 2020 MWV Medizinisch wissenschaftliche Verlagsgesellschaft und BKK Dachverband e.V.

Fakt 8: Warum braucht Ihr Unternehmen ein BGM? Weil es Geld kostet, Gesundheit im Unternehmen nicht systematisch zu fördern.

Was kostet Arbeitsunfähigkeit?

Das Bundesamt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin BAUA berechnet die Zahlen jährlich für Deutschland.

In 2019 hieß das: Insgesamt hat jeder Arbeitnehmer 17,3 Tage im Jahr gefehlt. Der Produktionsausfall (Lohnkosten) pro Arbeitsunfähigkeitstag betrug 123 € und damit ist für die deutsche Volkswirtschaft ein Produktionsausfall von insgesamt 88 Mrd. Euro entstanden.

aus: Volkswirtschaftliche Kosten durch Arbeitsunfähigkeit 2019, BAUA, Dortmund 2021

​Und was heißt das für Ihren Arbeitgeber? Ich mach´s mal konkret:

Nehmen wir einfach an, Sie arbeiten in einem Unternehmen mit 100 Mitarbeitern. In 2019 hatte es genau den deutschen Durchschnitt von 17,3 Arbeitsunfähigkeitstagen pro Mitarbeiter.

Dann musste Ihr Betrieb rund 213.000 € an Lohnfortzahlung für die erkrankten Beschäftigten aufbringen.

Tatsächlich sogar mehr: Die Berechnung der Arbeitsunfähigkeitstage basiert auf den Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen der gesetzlichen Krankenkassen. Die ersten drei Krankheitstage (für die in der Regel keine AU-Bescheinigung notwendig ist) sind also nicht enthalten.

Mein Fazit: Warum Ihr Unternehmen ein BGM braucht

Puuhh – ganz schön viel Statistik, denken Sie vielleicht. Stimmt. Aber sich damit zu beschäftigen lohnt sich. Sie wollen doch was bewegen in Ihrem Betrieb.

Ich fasse mal zusammen.

Ihr Unternehmen steht vor großen Herausforderungen:

  • Fachkräfte werden fast überall Hände ringend gesucht, aber immer seltener gefunden.
  • Da Mitarbeiter im Durchschnitt immer älter werden, drohen krankheitsbedingte Ausfälle.
  • Die Arbeit muss noch mehr auf diejenigen verteilt werden, die da sind. (Mag sein, dass sich durch die Digitalisierung zukünftig eine deutliche Entlastung ergibt. Aber bis dahin ….?)

Es wird also Jeder gebraucht!

Ihre Beschäftigten – den Meisten geht es (noch) gut. Aber eben nicht Jedem.

  • Viele fühlen sich nicht mehr fit, weil der Arbeitstag hektisch ist und manchmal auch das Privatleben schlaucht. Sie sind müde und schlafen schlecht, sie haben Rückenschmerzen oder sind rund um erschöpft.
  • Viele Vollzeitkräfte wollen weniger und nicht mehr arbeiten.
  • Und schon heute liegt die Zahl der Überstunden, die jeder im Durchschnitt macht, in einem kritischen Bereich für die Gesundheit.

Warum braucht es also ein BGM?

Weil ein gute Betriebliches Gesundheitsmanagement die Gesundheit und die Arbeitsfähigkeit Ihrer Mitarbeitenden nachhaltig fördert.

Wie sehen Ihre nächsten Schritte als Gesundheitsmanager aus?

  • Schauen Sie sich die Studien genauer an. Welche Fakten interessieren Ihren Chef/Ihre Chefin wohl besonders?
  • Vergleichen Sie die Werte mit Zahlen aus Ihrem Betrieb (gibt´s z.B. von der Personalabteilung, dem Controlling, Ihren gesetzlichen Krankenkassen): Wie ist das Durchschnittsalter in Ihrem Unternehmen? Wie hoch sind die Fehlzeiten? Was sind die Diagnosen für die Arbeitsunfähigkeit?
  • Präsentieren Sie die Ergebnisse und zeigen Sie den Handlungsbedarf. Lesen Sie dazu den Blog-Beitrag “Betrieblicher Gesundheitsmanager – So wird Ihre erste Präsentation garantiert ein Erfolg”.
  • ​Schlagen Sie vor, ein Konzept zu entwickeln und beschreiben Sie darin, wie Sie weiter vorgehen wollen, um die Gesundheit in Ihrem Betrieb langfristig zu erhalten.

Warten Sie nicht, starten Sie jetzt.

Viel Erfolg!

Karin Goldstein

 

Schreiben Sie in den Kommentar: Wie haben Sie Ihren Chef überzeugt? Was hat funktioniert, was nicht? Ich freu mich auf Ihr Feedback.

 

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